„Ich habe begonnen, nach der Kunst zu zeichnen, als mir die Beschäftigung mit der Natur zu dominant wurde. Indem ich zeichne, bin ich ein Übertragungsapparat, durch den die Zeit durcharbeitet. Die Kunst ist für mich dabei genauso Vorlage wie die Natur.“
Das Zeichnen ist in verschiedenen Erscheinungsformen stets von herausragender Bedeutung in Mosettigs Kunst. Seit der Ausstellung Pradolux 2009 in der Wiener Secession steht es im Zentrum seiner Arbeit und der öffentlichen Wahrnehmung. Zum Signum von Mosettigs Zeichenpraxis wird ein Verfahren, das er unterschiedslos auf verschiedenartige Vorlagen anwendet und das zwei Konstanten aufweist: eine Diaprojektion, die das eigentliche Motiv der Zeichnung darstellt, und die systematische Übertragung des Lichtbilds mit Bleistiftschraffuren in Grauwerte. Der Künstler arbeitet regelmäßig in Serien und greift häufig auch auf künstlerische Mittel wie Wiederholungen oder Spiegelungen zurück.
Die gewählten Vorlagen durchmessen ein weites Feld und reichen von prominenten Kunstwerken (von Jackson Pollock, Josef Albers, Käthe Kollwitz u. a.) bis zu Ablagerungen von Staub und Schmutz (Projektorenporträts, 2008/09), von Kritzelzeichnungen der eigenen Tochter (Informel, 2014–2017) bis zu Fotos der Mondoberfläche (Apollo 11, 2008/09) und einer Tischplatte in Griechenland, auf welcher Fingerabdrücke von Geflüchteten abgenommen wurden (Handwriting, 2017/18). Sachlich divers und emotional unterschiedlich besetzt werden alle diese Funde zu gleichberechtigten visuellen Fakten, zum Stoff für Mosettigs kontemplativ-manuelle Übersetzungsarbeit. Bei aller Konsequenz im Zugang eröffnen sich je nach Werkserie unterschiedliche Horizonte und Reflexionen zu Medium und Material, Malerei und Zeichnung, Erfindung und Aneignung, Unikat und Repetition, Abbild und Wirklichkeit, Moment und Dauer, Nähe und Distanz.
Rolf Wienkötter, Kunsthistorisches Museum Wien
Klaus Mosettig lebt und arbeitet in Wien
geboren 1975 in Graz
1993 bis 1994 Meisterschule der Malerei an der HTBLVA Graz
1994 bis 2000 Bildhauerei bei Bruno Gironcoli an der Akademie der Bildenden Künste in Wien
1998 bis 1999 gleichzeitig Studium an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
2006: Holzplastik, Neue Galerie Graz
2009: Pradolux, Secession Wien
2010: Nature morte, Kunstraum Dornbirn
2018: Handwriting, Kunsthalle Darmstadt
2019/20: The David Plates, Kunsthistorisches Museum Wien
ARBEITEN IN ÖFFENTLICHEN SAMMLUNGEN (Auswahl)
Albertina, Wien (A)
Joanneum, Graz (A)
Josef Albers Museum Quadrat Bottrop (DE)
Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste, Wien (A)
Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig - MUMOK, Wien (A)
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (DE)
New School, New York (USA)
Saatchi Gallery, London (GB)
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck (A)
- Pradolux, Secession, Wien 2009, ISBN 978-3-902592-21-7
- Nature morte, Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2010, ISBN 978-3-86984-028-4
- The David Plates, Kunsthistorisches Museum, Wien 2019, ISBN 978-3-99020-198-5

